Die Alte Apotheke

Heddesheim hat zur Zeit drei Apotheken und mehr als zehn Ärzte, welche die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen - Das war nicht immer so.

Heddesheim hatte nach dem ersten Weltkrieg einen Arzt, Dr. Jebe, aber keine Apotheke. Die von Dr. Jebe per Rezept verordneten Medikamente mußten also auswärts, z.B. in Ladenburg oder Viernheim besorgt werden. - Und wie geschah das ? - Herr Heinrich Menz, mittlerweile 90 Jahre alt, war damals der medizinische Kurier, der ganz Heddesheim mit Medikamenten versorgte.

Herr Menz erzählt uns, wie das vor sich ging:
Am Café Kling, das dort stand, wo heute in der Oberdorfstraße die Volksbank ist, war ein Kästchen angebracht. Der Schlüssel war an der Theke im Café Kling. In dieses Kästchen warfen die Leute bis nachmittags um 17 Uhr ihre Rezepte ein. Pünktlich um diese Zeit schloß ich dann das Kästchen auf, nahm die Rezepte und machte mich auf den Weg nach Viernheim in die Apotheke. Vorher fuhr ich noch in die Wasserbettstraße, dort war das gleiche Kästchen im Haus Nr.9 beim "Vetter Christoph" ( Christoph Jöst, Feldhüter ). Auch dieses wurde geleert und ab ging's nach Viernheim. Dort erwartete mich schon der Apotheker. Er richtete die Sachen alle zusammen, schrieb deutlich den Namen darauf und gegen 19 Uhr war ich schon wieder in Heddesheim und verteilte die Medikamente in den Häusern. Dieses Geschäft erledigte ich von 1928 bis 1937, damals bekam Heddesheim seine erste Apotheke, die heutige "Alte Apotheke". Das habe ich jeden Tag, außer Sonntag, bei Wind und Wetter gemacht.

Wir erfahren aus obigem Bericht, daß Heddesheim bereits im Jahre 1937 seine erste Apotheke bekommen hat, und zwar am 1.März. Doch bis es soweit war, galt es noch einige Hindernisse zu überwinden.

Das Apothekerehepaar Dr. Karl Lange und seine Frau Else aus Waldshut hatten sich für die Errichtung einer Apotheke in Heddesheim beworben. Das ihnen angebotene Anwesen in der damaligen Hindenburgstraße 23, heute Schaafeckstraße, schien geeignet, nach Umbau und gründlicher Renovierung der richtige Standort für eine Apotheke zu werden. Es wurde 1936 aus dem Besitz der Familie Schaaf erworben. Noch im selben Jahre wurden von Baumeister Georg Bickel die Umbaupläne entworfen. Die sich im ersten Obergeschoß befindliche Zahnarztpraxis wurde zur Wohnung umgestaltet und der Umbau des Erdgeschosses und die Renovierung gingen zügig voran, so daß dann am 1.März 1937 die 'Apotheke Heddesheim/Baden' eröffnet werden konnte.

Das Ehepaar Lange hatte einen Sohn, der Student der Pharmazie in Heidelberg war und als solcher gleich zu Anfang des Krieges zu den Waffen mußte. Eine Welt brach für sie zusammen, als ihr Sohn 1942 im Alter von 23 Jahren in Rußland gefallen ist. Sie führten die Apotheke trotz dieses schweren Schicksalschlages über den Krieg weiter. In den Nachkriegsjahren fand ein weiterer Ausbau und Aufschwung statt, aber mit Freude und innerem Engagement war man nicht mehr bei der Sache. Es wunderte sich daher niemand, daß das Ehepaar Lange die Apotheke 1956 an den Apotheker Sylvester Otte verpachtete. Sie zogen nach Heidelberg, wo Frau Lange 1964 und ihr Mann 1971 verstarben.

Bereits 1958 wurde ein neuer Pächter in der Deutschen Apotheker-Zeitung gesucht und in dem Apothekerehepaar Erich und Waltraut Strobel aus Laupheim auch gefunden. Der alte Pächter Otte übernahm eine Apotheke in Tiengen, das Ehepaar Strobel übernimmt am 15. März 1959 als neuer Pächter die Apotheke in der Schaafeckstraße.

Mit zunehmendem Alter reifte bei Dr. Lange der Plan, die Apotheke samt Grundstück an das Ehepaar Strobel zu verkaufen. Die Abwicklung des Vorhabens zog sich von 1965 bis 1968 hin. Mit Kaufvertrag vom 11. Januar 1968 ging dann die Apotheke samt Immobilie auf das Ehepaar Strobel über. Sie führten die Apotheke bis zum 30. Juni 1989 . Erich Strobel und seine Frau, die zwei Söhne haben, zogen nach dem Verkauf der Apotheke nach Ladenburg, wo Herr Strobel im Jahre 1996 verstarb.